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Mit dem Familienrecht möchte eigentlich niemand als Betroffener etwas zu tun haben, betrifft es  doch einen sehr persönlichen und sensiblen Bereich des Lebens, insbesondere die Ehe, Familie, Kinder und die Vermögensverhältnisse. Umso wichtiger ist  es, bei familienrechtlichen Problemen frühzeitig einen verständnisvollen und fachlich versierten Rechtsanwalt hinzuzuziehen.

Dessen Aufgabe sollte es neben einer – falls notwendig – konsequenten Durchsetzung der Ansprüche des Mandanten auch sein, möglichst deeskalierend auf die Beteiligten einzuwirken und  eine  möglichst einvernehmliche Lösung der Probleme zu finden, denn mit einem langwierigen, nervenaufreibenden und teuren Rechtsstreit ist dem Mandanten häufig nicht gedient.    

Zum Familienrecht gehören neben der Ehescheidung und der Vermögensauseinandersetzung (nebst der Berechnung von Unterhalt, zum einen während des Zeitraums der Trennung bis zur rechtskräftigen Scheidung und zum anderen für den sogenannten nachehelichen Unterhalt), die Regelung des Sorgerechts für Kinder der Parteien, das Recht des Umgangs der Eltern oder sonstiger Verwandter mit den Kindern und natürlich das Unterhaltsrecht.  

Nach deutschem Recht gilt das sogenannte Zerrüttungsprinzip. Es kommt nur darauf an, dass die Ehepartner die eheliche Lebensgemeinschaft aufgegeben haben und diese auch in Zukunft nicht mehr aufleben lassen wollen (getrennt von Tisch und Bett). Grundsätzlich sollte bevor ein Scheidungsantrag gestellt wird ein Trennungsjahr vorüber sein; bei einer Trennung von einem Zeitraum über drei Jahren wird per Gesetz davon ausgegangen, dass die Ehe zerrüttet ist.

Das Gericht spricht -nach derzeitiger Rechtslage muss die Scheidung durch Urteil eines Familiengerichts ausgesprochen werden- dann nicht nur die Scheidung aus, sondern regelt auch, teilweise unter Mitwirkung der vormaligen Ehepartner und deren Rechtsanwälten, die sogenannten Scheidungsfolgen. Hierzu zählt im Wesentlichen der Trennungsunterhalt, für den Zeitraum ab der Trennung bis zur rechtskräftigen Scheidung. Der besserverdienende Ehepartner ist gegenüber dem anderen grundsätzlich zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet (Faustformel: 3/7 der Differenz zwischen den jeweiligen – bereinigten- Nettoeinkommen). Dieser Trennungsunterhalt ist zwingend vom Gesetzgeber vorgeschrieben und kann nicht durch vertragliche Vereinbarung ausgeschlossen werden. Der sogenannte nacheheliche Unterhalt kann vertraglich geregelt werden.  Auf diesen kann sogar verzichtet insgesamt werden.

Die Frage, wer für die gemeinsamen, aus der Ehe hervorgegangenen, Kinder das Sorgerecht (wer entscheidet als gesetzlicher Vertreter des minderjährigen Kindes?) hat und wie sich der zukünftige Umgang (Besuchsrecht und dergleichen) der getrennten bzw. geschiedenen vormaligen Ehepartner gestaltet, muss ebenfalls geregelt werden.

All diese umfangreichen, rechtlich schwierigen und menschlich sehr emotional belastenden   Fragestellungen müssen spätestens im Rahmen des Scheidungsverfahrens anwaltlich begleitet werden.

Die zu erwartenden Kosten eines Rechtsstreits sollten den Mandanten nicht davon abhalten, frühzeitig eine Regelung herbeizuführen.  

Einige Rechtsschutzversicherer übernehmen heute die Kosten eines Ehescheidungsverfahrens  zumindest teilweise, weswegen ein Blick in den Versicherungsvertrag oder eine Nachfrage beim Versicherer lohnt. Zumindest die Kosten einer Erstberatung kann in den meisten Fällen übernommen werden.

Ansonsten besteht die Möglichkeit bei dem für den Wohnsitz des Mandanten örtlich zuständigem Amtsgericht sogenannte Beratungshilfe zu beantragen. Für gerichtliche Verfahren besteht die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe in Anspruch zu nehmen.  Zu berücksichtigen ist dabei, dass bei Rechtsstreitigkeiten zwischen Ehepartnern auch  eine –über das Gericht einklagbare-Prozesskostenvorschusspflicht des anderen Ehepartners in Betracht kommt.