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Mit Verkehrsrecht kann in unserer mobilen Welt fast jeder in Berührung kommen, zum Beispiel als Fahrer oder Beifahrer eines Kraftfahrzeuges, als Fahrradfahrer oder sogar als Fußgänger.

Was gehört zum Verkehrsrecht?

Ein wichtiger Bereich ist das Verkehrszivilrecht. Davon umfasst sind materielle (Schadenersatz) und immaterielle (Schmerzensgeld) Ansprüche, die man als Geschädigter eines Verkehrsunfalls gegen den Schädiger und seinen Haftpflichtversicherer geltend macht, oder die man versucht abzuwehren, wenn sie unberechtigt sind. Im letzteren Fall übernimmt dies der eigene Haftpflichtversicherer, der deshalb über jeden eingetretenen Schadensfall schnellstmöglich zu informieren ist.

Für die Geltendmachung eigener Ansprüche ist es ratsam, schnellstmöglich einen Rechtsanwalt, bevorzugt einen spezialisierten Fachanwalt für Verkehrsrecht hinzuzuziehen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die eigenen Ansprüche zeitnah, vollständig und mit dem notwendigen Nachdruck geltend gemacht werden. Zu berücksichtigen ist dabei dass auf der Gegenseite immer ein Spezialist, nämlich der gegnerische Haftpflichtversicherer steht. Übrigens: Die Kosten des eigenen Rechtsanwalts stellen grundsätzlich einen ersatzfähigen Schaden dar und sind deshalb vom Unfallgegner zu tragen. Eine eigene Rechtsschutzversicherung ist deshalb nicht unbedingt notwendig, grundsätzlich aber auch hier ratsam.

In den letzten Jahren haben die Kfz-Haftpflichtversicherer  immer wieder versucht, die Geschädigten durch vermeintliche Komplettangebote dazu zu bewegen, auf die Hinzuziehung eines eigenen Rechtsanwalts zu verzichten. Argumentiert wird damit, dass sich der Versicherer um die gesamte Schadensbeseitigung selbstständig kümmert, beispielsweise das beschädigte Fahrzeug  in eine Werkstatt bringen lässt, für diese Zeit einen Mietwagen stellt und das reparierte Fahrzeug sodann dem Geschädigten „vor die Haustür stellt“. Von solchen Angeboten kann nur abgeraten werden, weil die Versicherer damit regelmäßig ihre eigenen Interessen wahrnehmen und versuchen, den zu ersetzenden Schaden so gering wie möglich zu halten. Eine Rechtsberatung dahingehend, welche Ansprüche dem Geschädigten überhaupt zustehen, erfolgt selbstverständlich nicht. Die beteiligten Werkstätten sind häufig keine markengebundenen Fachwerkstätten, sondern preiswerte Werkstätten, die nicht immer dieselbe Qualität bieten wie die markengebundenen Fachwerkstätten.  Schadenspositionen wie Wertminderung, Nutzungsausfall, (Un-)Kostenpauschalen und Schmerzensgeld sowie Verdienstausfall oder ein Haushaltsführungsschaden werden häufig nicht berücksichtigt.

Müssen Schadenersatzansprüche gerichtlich eingeklagt werden, ist es ebenfalls zu empfehlen, einen spezialisierten Fachanwalt für Verkehrsrecht zu beauftragen, denn der Unfallgegner wird über seinen Haftpflichtversicherer immer eine entsprechende spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei beauftragen. Nur so kann eine Chancengleichheit im Gerichtsverfahren sichergestellt werden.

Ein klassischer Fall ist auch das Ordnungswidrigkeitenrecht, also ein Verwarnungsgeld- oder Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung und/oder anderer verkehrsrechtlicher  Vorschriften.

Hier eröffnet sich ein weites Betätigungsfeld für Rechtsanwälte. Wichtig für den Betroffenen ist, sich so früh wie möglich an einen Rechtsanwalt zu wenden, um die Vorgehensweise abzustimmen, denn jede vorschnellen Angaben zur Sache kann zu Rechtsnachteilen führen.

Üblicherweise beginnt  die Tätigkeit des Rechtsanwalts bei Verkehrsordnungswidrigkeiten mit einer Akteneinsicht und der dringenden Empfehlung an den Mandanten,  keinerlei Angaben zur Sache zu machen. Erst nach Kenntnis der vollständigen Ermittlungsakte kann entschieden werden, was weiter zu veranlassen ist. Dabei ist zu beachten, dass die Ordnungswidrigkeit dem Betroffenen nachgewiesen werden muss und dieser nicht verpflichtet ist, an seiner eigenen Verurteilung mitzuwirken. Manchmal kann es deshalb sogar ratsam sein, überhaupt nichts zu tun.

Ist bereits ein Bußgeldbescheid erlassen worden, sind regelmäßig Fristen zu beachten. Es ist deshalb wichtig, nicht nur den Bescheid selbst, sondern auch den dazu gehörenden Briefumschlag als Zustellungsnachweis aufzubewahren.

Nach dem Einspruch prüft die Bußgeldbehörde, ob der Bescheid aufgehoben werden kann. Erfolgt dies  nicht, wird das Verfahren zur Entscheidung an das zuständige Amtsgericht abgegeben. Dieses beraumt sodann einen Verhandlungstermin an, in dem der Betroffene angehört und eventuell vorhandene Zeugen vernommen werden und gegebenenfalls weitere Beweise, beispielsweise die Einholung eines Sachverständigengutachtens erhoben werden. Häufig kann in einer Hauptverhandlung  eine Einstellung  des Verfahrens erreicht werden, bei der allerdings der Betroffene seine Rechtsanwaltskosten selbst bezahlen muss. Deshalb ist es ratsam, eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abzuschließen, welche diese Kosten dann übernimmt.

Das Verkehrsstrafrecht betrifft Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften des Strafgesetzbuchs und anderer Strafvorschriften. Grundsätzlich handelt es sich dabei um schwerwiegendere Verkehrsverstöße, als im Ordnungswidrigkeitenrecht. Die Vorgehensweise ist für den Beschuldigten ähnlich wie im Ordnungswidrigkeitenrecht. Wichtigstes Kriterium am Anfang ist auch hier, möglichst nichts zu sagen und so schnell wie möglich einen Rechtsanwalt aufzusuchen. Nicht umsonst lautet ein alter Strafverteidigerspruch wie folgt: „Hände falten, Schnauze halten“. 
 
Wenn die Fahrerlaubnis betroffen ist, kann besondere Eile geboten sein, um das Verfahren zu beschleunigen und die Zeit ohne Führerschein möglichst zu verkürzen.

Streitigkeiten mit der Führerscheinbehörde beispielsweise die Anordnung einer MPU oder betreffend die Zulassung eines Kraftfahrzeugs, aber auch die Auferlegung eines Fahrtenbuchs gehören ebenfalls zum Verkehrsrecht.